Equal Care Day 2017

Heute ist Equal-Care-Day! Ein echtes Herzensthema für mich, habe ich doch irgendwie ständig damit zu tun – ob es nun das Unverständnis meinerseits anderen Aufteilungen gegenüber ist oder die Abwertung meiner Arbeit von anderen ausgehend.

Die Initiative Equal-Care-Day hat zu diesem Anlass Fragen gestellt, hier meine Antworten auf (fast alle) diese und damit unsere Perspektive:

Wie ist die CareArbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

Wir haben einen relativ festen Haushaltsplan, in dem wir die Aufgaben für uns gefühlt fair aufgeteilt haben. Dabei ist ein Teil der Bereiche in gemeinsamer Verantwortung, aber es gibt auch einige feste Zuständigkeiten. Da ich z.B. zwar gerne esse, aber wirklich ungern koche, Potter glücklicherweise aber dafür beides gerne tut, ist das sein Job geworden. Meine Verantwortung ist dafür z.B. die Wäsche – weil ich es unheimlich gerne mache und auch ziemlich eigen dabei bin, in viele Wäschearten unterteile, sie nach Farben aufhänge, etc. Dann gibt es noch ganz praktische Aufteilungen: Potter pinkelt lieber im Stehen, dafür muss er dann aber auch die Klos sauber halten. Da Potter von zu Hause aus arbeitet, können wir uns auch gleichwertig um unseren Sohn (Herr Schnute) kümmern. Seinen Mittagsschlaf hält er z.B meist bei ihm in der Trage.

Warum teilt Ihr Euch anfallende CareArbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

Uns ist es wichtig, unseren Haushalt und die Kindererziehung auf Augenhöhe miteinander zu führen. Alles andere würde sich für beide Seiten einfach nicht fair anfühlen. Ein riesiger Vorteil ist natürlich, dass Herr Schnute zwei gleichwertige Bezugspersonen hat, so waren wir beide auch phasenweise schon primäre Bezugsperson. Gerade für Potter, der am liebsten reiner Hausmann wäre, ist das besonders schön so intensiv am Leben unseres Sohnes teilzunehmen.

Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

Für mich besteht ein Hindernis tatsächlich in der Bewertung meiner Arbeit durch andere Menschen – speziell der Verwandtschaft. Da ich, im Gegensatz zu Potter, keiner Erwerbsarbeit nachgehe, kämpfe ich dort leider stark gegen den Ruf faul zu sein. Für die meisten ist es unverständlich, warum ich nicht automatisch alle Aufgaben rund um Herrn Schnute übernehme und den Haushalt alleine schmeiße. Meine Arbeit wird leider selten gesehen und oft wird Potter vorwurfsvoll gefragt, warum denn nicht ich diese oder jene Aufgabe machen würde. Für uns persönlich ergibt sich manchmal der Nachteil, dass wir kleinere Verantwortungsdiffusionen haben. Daran müssen wir noch arbeiten!

Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

Bestimmt. Noch praktischer wäre es ja, wenn gleich jemand anders den Haushalt macht und Herrn Schnute betreut. ^^

Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

Es gibt Dinge, die wir nicht beide können: Potter kann nicht stillen, dafür kann ich Herrn Schnute nicht mehr länger tragen. Wir versuchen das einfach anderweitig auszugleichen.
Herr Schnute stillt nachts noch recht viel und schläft auch selten anders wieder ein. Dadurch kümmere ich mich zwangsweise die ganze Nacht um ihn. Wenn Herr Schnute allerdings z.B. nachts aufwacht und sich nicht mehr in den Schlaf stillen lässt, übernimmt Potter mit der Trage – egal, um welche Uhrzeit.
Eine besondere Schwierigkeit ist mein noch nicht vorhandener Führerschein, durch den Potter jede einzelne Autofahrt erledigen muss – da bin ich aber inzwischen endlich dran!

Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der CareArbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

Ja, wir haben zusammen einen Sohn und wünschen uns auch noch weitere Kinder. Am Anfang der Babyzeit und in der Schwangerschaft hat Potter mehr übernommen, seit Herr Schnute gerne bei Haushaltstätigkeiten dabei ist und helfen möchte, mache ich wieder gleich viel, nur eben langsamer als sonst. ^^

Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

Da sind wir auch gespannt drauf! Herr Schnute ist ja erst 17 Monate alt und wir müssen sicherlich noch viel Flexibilität beweisen.

Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann* /
bzw. als Frau* ?

Ich, als Frau, Mutter und – von außen gesehen – Hausfrau, werde oft für die einzige Careperson gehalten. Wenn wir gemeinsam spazieren gehen und Herr Schnute schläft bei Potter in der Trage, kriege ich tatsächlich häufig schräge Blicke zugeworfen. Ebenso jedes Mal, wenn Potter Herrn Schnute alleine tröstet, weil er in dem Moment in seiner Nähe war – und ich nicht auch noch zusätzlich hinrenne. Die abschätzigen Bemerkungen seitens der Familie habe ich ja bereits erwähnt… Alles was ich mache und leiste wird als Selbstverständlichkeit betrachtet, alles was Potter leistet, wird mit Ohs und Ahs begleitet. Das ärgert mich sehr oft!

 

Wie läuft das bei euch?

 

 

 

 

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